Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Kreisverband Dachau

Zwei Radfahrende füllen Trinkflaschen an einem Trinkbrunnen des RuhrtalRadwegs auf.

Wasserflaschen auffüllen am RuhrtalRadweg. © Ruhr Tourismus GmbH/Dennis Stratmann

Klimawandelanpassung im Radtourismus

Wie wirkt sich der Klimawandel auf den Radtourismus aus? Welche Anpassungsstrategien sind notwendig und welche nehmen Radreisende wahr? Das hat der ADFC mit der Radreiseanalyse untersucht und ruft Touristiker:innen auf, ihre Erfahrungen zu teilen.

Wirkt sich der Klimawandel auf die Nachfrage im Radtourismus aus?

Mit der globalen Erwärmung steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Extremwetterereignisse wie Hitzewellen, Trockenphasen, Unwetter oder Starkregen auftreten (Deutscher Wetterdienst/Extremwetterkongress 2021). Dank langer Zeitreihen aus der ADFC-Radreiseanalyse konnte der ADFC untersuchen, inwiefern sich Hitze oder hohe Niederschläge auf das Reiseverhalten der Radreisenden auswirkt. 

Verschiebt sich die Radreisesaison?

Mit steigenden Temperaturen in den Sommermonaten und milderen Wintern liegt die Vermutung nahe, dass sich die Radreisesaison verlängert und Sommermonate unattraktiver werden. Die Daten aus der ADFC-Radreiseanalyse zeigen aber im Zeitraum 2017 bis 2025 kaum Verschiebungen. Ein Grund dafür: Die weniger heißen Monate Mai und Juni waren bereits 2017 beliebter als die Monate Juli und August. Die Nachfrage in den Wintermonaten veränderte sich im betrachteten Zeitraum kaum. 

Auf den Startzeitpunkt der Radreise hatten die Auswirkungen der Corona-Pandemie einen stärkeren Einfluss: 2020 und 2021 starteten mehr Radreisen im Juli und August. 

Laut der Trendstudie der FUR war der Zeitraum (Saisonalität) für die Reisen der deutschen Wohnbevölkerung in den letzten 20 Jahren relativ stabil. Im Mittelmeerraum nahm die Nachfrage in den Sommermonaten sogar zu (Schmücker u. a. 2025). Ein Grund dafür ist in den Reisemotiven zu finden: Die Bedeutung der Motive „Sonne und Wärme“ ist in den letzten 20 Jahren gewachsen (Schmücker u. a. 2025). Da die Zahlen aus der ADFC-Radreiseanalyse nur Aussagen zu den vergangenen neun Jahren ermöglichen, lohnt es sich, die Entwicklung der Saisonalität und Reiseziele sowie Reisemotive weiter zu beobachten. 

Wird die Reiseplanung spontaner?

Eine spontanere Reiseplanung ermöglicht es, sich kurzfristigen Wetterereignissen wie starker Hitze anzupassen. Der Vergleich von Daten aus 2018 und 2025 zeigt aber, dass für einen Teil der Radreisenden das Gegenteil der Fall zu sein scheint: 2018 entschieden sich noch 48 Prozent der Radreisenden spontan (weniger als drei Monate vor Reiseantritt) für ihr Reiseziel; 2025 waren es fünf Prozentpunkte weniger (43 %). 

Radreisende planen vorausschauender, um passende Unterkünfte entlang der Strecke zu buchen, da diese in beliebten Reisezielen sonst nicht mehr verfügbar sind. Der Wunsch nach Spontanität und Flexibilität während der Radreise lässt sich nicht mit dem bestehenden Angebot an Unterkünften vereinbaren. Das bedeutet auch, dass ein Teil der Radreisenden ihre Tour unabhängig vom Wetter antreten, weil sie ihre Unterkünfte bereits gebucht haben. 

Hält Hitze die Menschen von Radreisen ab? 

Eine Gegenüberstellung der heißen Tage (Lufttemperatur über 30 °C) und Anzahl der Radreisenden zeigt, dass in Jahren mit vielen heißen Tagen dennoch viele Radreisende unterwegs waren. So verzeichneten beispielsweise die Jahre 2015 und 2018 jeweils mehr als 17 heiße Tage (Deutscher Wetterdienst 2025a) und gleichzeitig eine hohe Nachfrage nach Radreisen. In den starken Radreisejahren 2018 und 2019 lagen die Niederschläge unter dem vieljährigen Mittelwert (Deutscher Wetterdienst 2025b). 

Neben dem Wetter spielen vielfältige Faktoren wie beispielsweise die persönliche gesundheitliche Verfassung, Familiensituation oder finanzielle Lage eine Rolle. Hitzetage haben auf die Entscheidung bislang offenbar weniger Einfluss als Zeiten mit vielen Niederschlägen: Die Gegenüberstellung der Nachfrage mit den Klimadaten zeigt tendenziell, dass die Zahl der Radreisenden eher mit hohen Niederschlägen abnimmt als mit hohen Temperaturen.

Ähnliche Entwicklungen zeigen sich in der allgemeinen touristischen Nachfrage: Mittelmeerziele verzeichnen Rekordwerte und Reisende kehren wieder, obwohl sie die große Hitze wahrnehmen (Schmücker u. a. 2025). 

Ob sich das Reiseverhalten so fortsetzt, bleibt abzuwarten. Steigende Temperaturen und auch das durchschnittliche Alter der Radreisenden könnten in Zukunft dazu führen, dass Sommermonate unattraktiver werden. Die Teilnehmer:innen der ADFC-Radreiseanalyse, die keine Radreise unternommen haben, gaben als Gründe an, dass sie bei Radreisen stark vom Wetter abhängig (31 %) und dass ihnen Radreisen zu anstrengend seien (26 %). Hitze während der Sommermonate empfinden viele Nicht-Radreisende schon jetzt als beschwerlich und sehen deshalb von Radreisen ab.

Maßnahmen zur Klimawandelanpassung im Radtourismus

Maßnahmen werden auch im Radtourismus zukünftig wichtig sein. Das Ziel der Anpassungsmaßnahmen ist es, vulnerable Gruppen vor gesundheitlichen Risiken zu schützen (Willms 2025). Da Tourist:innen in kritischen Situationen über weniger (Orts-)Kenntnisse verfügen als Einheimische, gelten sie als vulnerable Gruppe. Sie werden aber in vielen Orten nicht als solche mitgedacht (Willms 2025). Für Radreisende gilt das umso mehr, da sie sich überwiegend draußen aufhalten und Extremwettereignissen ausgesetzt sind – ohne über Ortskenntnisse zu verfügen. Besonders Menschen, die weniger Erfahrung mit Radreisen haben, stehen im Fokus.  

Zu den Anpassungsstrategien in der Infrastruktur gehören: 

  • Einrichtungen zum Schutz vor Hitze, Sturm und Starkregen
  • beschattete Radwege 
  • Trinkwasserzugang/Auffüllstationen
  • Reparatur und Pflege beschädigter Infrastruktur bspw. aufgrund von Hochwasserschäden
  • Beschilderung für Ausweichstrecken, z. B. bei Hochwasser 

(Regozini 2025; BTU Cottbus-Senftenberg, o. J.)

Auch kommunikative Maßnahmen sind notwendig: 

  • Tourist:innen in den Kommunikationsketten im Krisenfall mitdenken und Schutzmaßnahmen sowie Schutzeinrichtungen über touristische Kanäle teilen 
  • tagesaktuelle Informationen zum Streckenzustand bereitstellen
  • vorgeplante Ausweichrouten und Kommunikation dieser
  • Sensibilisierung durch Infotafeln, Themenwege
  • Abstimmung zwischen den Akteur:innen zur Beseitigung von Schäden

(Regozini 2025; Willms 2025)

Radfahrerin füllt Flasche an einem Trinkbrunnen des RuhrtalRadwegs auf.
Wasserflaschen auffüllen am RuhrtalRadweg. © Ruhr Tourismus GmbH/Dennis Stratmann

Gutes Beispiel: der leitungswasserfreundliche RuhrtalRadweg

Wasserauffüllstationen oder Trinkbrunnen entlang einer Radroute sind nicht nur eine wichtige Maßnahme zur Klimawandelanpassung, sondern auch ein Beitrag zum Klimaschutz. Sie versorgen Radreisende mit frischem Trinkwasser, das – im Vergleich zum Flaschenwasser – eine deutlich bessere CO2- und Ressourcenbilanz hat (Lanzl 2025). 

Gemeinsam mit dem Verein a tip: tap e. V., der sich für die Nutzung von Leitungswasser als Trinkwasser einsetzt, entwickelte der RuhrtalRadweg sich zum ersten leitungswasserfreundlichen Radfernweg. Radreisende können ihre Trinkflaschen dort an über 100 Trinkbrunnen und Nachfüllstationen entlang der Strecke kostenfrei auffüllen (RuhrtalRadweg: Tourenplanung, o. J.).

 

ADFC-Umfrage zu Schutzmaßnahmen

Der ADFC geht davon aus, dass Maßnahmen zur Klimawandelanpassung wichtiger werden und hat die ADFC-Radreiseanalyse entsprechend angepasst. Durch entsprechende Fragen hat er neue Daten erhalten und kann ermessen, welche Maßnahmen Radreisende während ihren Radreisen bereits wahrnehmen. Nur 36 Prozent der befragten Radreisenden, die drei Übernachtungen und länger unterwegs waren, gaben an, dass Einrichtungen zum Schutz vor Extremwetter wie Unterstände, Schattenplätze oder schattige Abschnitte ausreichend vorhanden waren, Informationen zum Schutz vor Extremwetter haben nur 26 Prozent wahrgenommen. 

Das Ergebnis eröffnet zwei zentrale Fragen: 

1. Suchen Radreisende solche Einrichtungen und Informationen wenig und nehmen sie deshalb nicht wahr?

2. Sind Einrichtungen und Hinweise zum Schutz vor Extremwetter oder Gefahren ausreichend vorhanden oder doch eher selten?

Der ADFC bittet Touristiker:innen und Routenbetreiber:innen darum, diese Fragen zu beantworten und ihre Erfahrungen bzw. Bedürfnisse zum Thema Klimawandelanpassung im Radtourismus mitzuteilen. 

An der Umfrage teilnehmen 

ADFC-Empfehlungen und Aufruf zum Mitwirken

  • Der Zeitpunkt des Reiseantritts hat sich in den letzten neun Jahren nicht stark verändert. Ein Teil der Radreisenden meidet die heißesten Monate Juli und August bereits jetzt. Eine Ausweitung der Saison und gezielte Angebote für die Monate März bis Mai sowie für den Oktober könnte in Zukunft die Nachfrage steigern und Ausweichoptionen für die besonders heißen Monate bieten – das kann zur Ausweitung der Radreisesaison führen und eine vorbereitende Strategie sein, wenn sich die Saison verschieben sollte. 
  • Jahre mit vielen Hitzetagen, aber im Durchschnitt geringen Niederschlägen, weisen eine positive Nachfrage vor. Es sind eher hohe Niederschläge als hohe Temperaturen, die Radfahrer:innen von Radreisen abhalten. Umso wichtiger ist es, Maßnahmen zum Schutz vor Hitze wie schattige Rastplätze oder Trinkwasserzugänge umzusetzen und diese gezielt an Radreisende zu kommunizieren.
  • Radreisende gehören zu den vulnerablen Gruppen. Sie werden bei Klimawandelanpassungsmaßnahmen – sowohl infrastrukturell als auch kommunikativ – noch nicht ausreichend mitgedacht. Da Extremwetterereignisse zunehmen, ist es besonders wichtig, Anpassungsmaßnahmen rasch umzusetzen. Das gilt umso mehr, als dass neben erfahrenen Radreisenden auch Einsteiger:innen unterwegs sind, die möglicherweise (noch) nicht über die notwendigen Strategien im Umgang mit Hitze oder Unwettern verfügen. 
  • Viele Radrouten haben einen direkten Bezug zum Wasser. In Deutschland sind besonders die Flussradwege beliebt. Sie sind aber besonders gefährdet bei Starkregenereignissen und Hochwasser. Diese können Radreisende direkt betreffen oder die Infrastruktur nachhaltig schädigen. Eine resiliente Infrastruktur wird auch bei touristischen Radwegen künftig immer wichtiger, auch Reparatur und Ausweichrouten sollten von Anfang mitgeplant werden. 

Die Erkenntnisse aus der ADFC-Radreiseanalyse werfen Fragen auf: Welche Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel werden vor Ort bereits umgesetzt? Wo gibt es gute Beispiele? Was brauchen Akteur:innen im Radtourismus, um Anpassungsmaßnahmen umsetzen zu können? Wie fällt die Resonanz der Radreisenden aus? 

Mit der Beantwortung unserer Umfrage können Touristiker:innen und Routenbetreiber:innen helfen, Antworten auf die Fragen zu finden. 

Zur Umfrage

Grafik zwei Menschen auf Fahrrad in Landschaft
ADFC-Radreiseanalyse © ADFC

Die ADFC-Radreiseanalyse erfasst das Radreise- und Ausflugsverhalten der deutschen Wohnbevölkerung ab 18 Jahren. Die repräsentative Umfrage wurde von Oktober bis Mitte Dezember 2025 erhoben. Insgesamt standen 17.314 auswertbare Fragebögen zur Verfügung.
Die Radreiseanalyse erfasst Radreisen (Radfahren als Hauptbestandteil der Reise), Tagesausflüge mit dem Fahrrad (welche nicht im Urlaub unternommen wurden) sowie das Radfahren im Urlaub (Radfahren ist nicht Hauptbestandteil der Reise). 

Weitere Zahlen, Daten, Fakten der Radreiseanalyse: www.adfc.de/radreiseanalyse2025

Quellen: 

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https://dachau.adfc.de/artikel/klimawandelanpassung-im-radtourismus

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